Worum geht es?

In dieser Bachelorarbeit wird mit „Käfer-Königreich“ ein analoges Kartenspiel entwickelt, das den bedrohten Lebensraum Wald auf spielerische und visuelle Weise erfahrbar macht. Im Fokus steht die Frage, wie sich ökologische Themen nicht nur illustrieren, sondern auch ins Spiel einbauen lassen, sodass sie beim Spielen spürbar werden.

Grundidee des Spiels

„Käfer-Königreich“ ist ein kompaktes Kartenspiel für zwei bis vier Personen, das sich für kurze bis mittlere Runden zu Hause oder unterwegs eignet. Die Spieler bauen gemeinsam ein Insektenreich auf, während der Wald nach und nach schrumpft und somit als knappe Ressource erfahrbar wird.

Die Käferkarten sind farblich und kategorisch sortiert und orientieren sich an bekannten Strukturen, wie sie von Skat-Blättern bekannt sind, damit das Spielsystem schnell verstanden wird. Die Waldmarken stehen symbolisch für den verbleibenden Wald. Mit der Zeit werden sie entfernt und lösen Ereignisse aus, die zeigen, wie fragil der Lebensraum ist.

Entstehung des Spiels

Die Entwicklung erfolgte als Designforschung: lesen, analysieren, zeichnen, testen, wieder umbauen. In mehreren Testrunden wurden die Anzahl der Karten, die Anzahl der Waldmarken, die Ereignisse und die Spieleranzahl variiert, bis sich ein stabiler Aufbau mit 66 Karten, sieben Handkarten und flexibel einsetzbaren Waldmarken ergeben hat.

Inhaltlich verschiebt sich das Projekt vom konflikthaften „Kampf der Käfer“ hin zu kooperativen und hybrid-kooperativen Modi, in denen der Wald als gemeinsames Problem ins Zentrum rückt. Die Balance zwischen „Es macht Spaß“ und „Es vermittelt wirklich etwas zum Thema“ ist dabei die zentrale Herausforderung.

Bildwelt von „Käfer-Königreich“

Es werden drei verschiedene Bildsprachen erarbeitet: Aquarell, flächige Farbgestaltung und Buntstift mit Outlines. Aquarell vermittelt die Zerbrechlichkeit des Waldes sehr gut, ist aber teilweise zu weich für eine klare Lesbarkeit im Kartenspiel. Die flächige Gestaltung mit klaren Konturen sorgt für eine gute Orientierung und erinnert an Siebdruck und Plakatästhetik.

Am Ende entsteht ein Hybrid aus flächigen Farbsystemen für Struktur und Lesbarkeit, kombiniert mit handgemachten Käferillustrationen mit Buntstift-Textur für Wärme und Charakter. Farbcodes (z. B. für unterschiedliche Waldtypen wie Nadel-, Laub-, Licht- und Mischwald) dienen gleichzeitig der Orientierung im Spiel und dem Storytelling über unterschiedliche Lebensräume.

Material, Nachhaltigkeit und Produktdesign

Da es um Wald und Insekten geht, spielt auch die Nachhaltigkeit des Produkts selbst eine Rolle. So sind etwa recyceltes Papier für Karten, FSC-zertifiziertes Holz für die hexagonalen Waldmarken und möglichst umweltfreundliche Druckfarben vorgesehen, sodass das Thema nicht an der Verpackung Halt macht.

Die Waldmarken sind bewusst als sechseckige Elemente ausgelegt, da sie sich gut zu einem „Waldteppich“ zusammenlegen lassen und dessen Schrumpfen somit visuell nachvollziehbar wird. Hinzu kommen eine klar strukturierte Spielanleitung und ein Boxdesign, das die Bildwelt nach außen trägt.

Fazit

Die Arbeit zeigt, wie wichtig Iteration, Tests und die Verknüpfung von Theorie, Gestaltung und Spielmechanik sind, um ein funktionierendes und erzählendes Spiel zu entwickeln.

Gleichzeitig stellt das Projekt den Einstieg in eine breitere Forschungsperspektive dar: analoge Spiele als eigenständiges Feld, in dem Kulturtheorie, Semiotik, Umweltfragen und Gestaltungspraxis zusammenspielen.