In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In dem Projekt border.line, geleitet von Nikola Röthemeyer, ging es darum, das Thema Borderline-Persönlichkeitsstörung in Form einer Graphic Novel zu visualisieren. Jeder Teilnehmende gestaltete seine eigene Graphic Novel, mehr oder weniger basierend auf einem Skript, welches wir von Medizinstudierenden der OVGU erhalten hatten. Das obergeordnete Thema solcher medizinisch aufklärenden Graphic Novels nennt sich Graphic Medicine und stellt die Patientenerfahrung in den Mittelpunkt. Ziel ist es, mehr Verständnis sowohl von Betroffenen für sich selbst, als auch von Angehörigen zu gewinnen und Stigmata aus dem Weg zu räumen.
Borderline zeichnet sich besonders durch extreme Stimmungsschwankungen, einen ungesunden Umgang mit Beziehungen und Impulsivität aus. Es entsteht meistens durch schwere traumatische Erfahrungen, besonders in der Kindheit.
Ich entschied mich für den Titel „Learning to Surf“, um auf das sogenannte Emotionssurfing hinzudeuten. Dies bedeutet, mit überfordernden Emotionen gesund umzugehen, ohne von ihnen eingenommen zu werden. Inspiriert von dieser Bezeichnung, stelle ich in meiner Graphic Novel Emotionen gegen Ende als farbige Wellen dar.
Als Recherche benutze ich ein paar Bücher der Sammlung der Graphic-Novels aus der Hochschule und sehr viele eigene von zuhause.
Besonders oft nahm ich Beispiele aus der Reihe der „Cyberpunk 2077“-Comicreihe, da diese mich besonders anspricht.
Für mich stand von Anfang an fest, dass meine Protagonistin einen alternativen Kleidungsspiel und bunte Haare haben soll, da die Expert*innen erklärten, dass dies oft der Fall bei Borderline-Patient*innen ist.Ich entschied mich für „Hope“, um aus ihrem Namen etwas Hoffnungsvolles zu machen, was sie immer begleitet.Ursprünglich hatte ich die Idee, ihr einen Schlüsselanhänger zu geben, der sie an ihren Kindheitshund erinnert. Wenn sie dann den neuen Hund findet, sollte sie dieser an ihren alten Hund erinnern. Es ergab sich allerdings keine Szene, in der dies behandelt werden konnte.
Die Freundin, die Hope zum Krankenhaus fährt, trägt hier auf der ganz rechten Zeichnung eine Jacke, die die Symbolfarben von Borderline repräsentieren. Dies soll bereits vor der Bestätigung andeuten, dass sie ebenfalls Borderline hat.Als Namen gab ich ihr „Grace“, da ich dies sehr passens zu „Hope“ finde.
Die Mutter soll liebevoll, aber auch besorgt und überfordert aussehen.
Der Arzt soll auf den ersten Blick bereits hinterlistig und ignorant rüberkommen.
Die Mobber sind stark inspiriert an den ersten Designs von Karo, als wir alle unsere Character Designs zusammentrugen und teilweise voneinander übernahmen. Die Person links und in der Mitte sieht man in der finalen Graphic-Novel nur auf einer Seite und die Person rechts ist nie zu sehen. Generell sieht man die Mobber nur als passive Passanten und nicht in Aktion.
Max ist der Golden Retriever, den Hope gegen Ende der Geschichte findet und adoptiert. Das Skript der Medizinstudent*innen informierte uns darüber, dem Hund ein blaues Halstuch zu geben, der an die blauen Flecken der Protagonistin erinnert.
Ich habe mich zum Verdeutlichen der Emotionen für unterschiedliche Haarfarben entschieden, da die Expert*innen erklärt hatten, dass Personen mit Borderline oft häufig ihre Haarfarbe ändern aufgrund von Problemen, die eigene Identität zu definieren/akzeptieren. Die eigentliche Haarfarbe der Protagonistin ist unbekannt und der Farbwechsel dient nur zur Veranschaulichung, ist dementsprechend nicht real.
Rot: Wut
Warnfarbe („Achtung, ich explodiere gleich“)
Orange: Angst
Alarmbereitschaft, daher Vorstufe von rot
Gelb: Liebe/Wärme
englische Phrase „You are my yellow“ (Sonnenschein, Wärme)
Grün: Freude/positive Aufregung
neue Pflanzen gedeihen (metaphorisch)
Türkis: Scham/Blamage
denkt an vergangene, traurige (blau) Situationen; Regenwetter --> verstecken (Metapher)
Blau: Trauer/Niedergeschlagenheit
klassische Farbe für Trauer; Wasser für Tränen
Schwarz: Depression/Selbstverletzung
Dunkelheit, negative Gedanken
Weiß: Schock/Panik
Gegenteil von schwarz; direkte Folge von und Realisation nach Selbstverletzung
Transparent: Erleichterung/keine Emotion
PNG-Hintergrund (transparent, weil dort keine Bilddaten sind)
Entwürfe
Final
Auszüge aus der finalen Graphic Novel
Das Projekt hat mir trotz viel Arbeit und extremer Hitze sehr viel Freude bereitet. Da ich generell viel zeichne und Graphic-Novels liebe, war das Projekt besonders für mich persönlich sehr interessant und hilfreich. Besonders schwierig war das Zeichnen der Personen ohne Referenz, da ich vorher immer wenigstens für die Pose eine Referenz nutzte. Diese Herausforderung war teilweise sehr schwierig, doch ich habe mich währenddessen verbessert. Ich werde also vermutlich in Zukunft viele eigene Character Designs ohne Referenz zeichnen, wodurch sich mein Stil noch mehr ausbauen wird.
Ich wurde während der Arbeit auch stilsicherer, was sehr wichtig ist, um die Graphic-Novel einheitlich zu gestalten. Am Ende zeichnete ich ein paar der ersten Seiten noch einmal nach, da der Stil am Ende viel ausgereifter war als am Anfang.
Ich denke, dass ich mir meine Arbeit gut eingeteilt habe, denn ich hatte bereits zur Ausstellung alle Seiten fertig. Die Geschichte habe ich aus Angst vor Zeitmangel so gut wie komplett von den Medizinstudent*innen übernommen, damit ich so schnell wie möglich mit Zeichnen anfangen konnte. Dadurch lag ich zwar gut in der Zeit, doch im Nachhinein stellte ich fest, dass es der Geschichte an persönlicher Note mangelt.
Oft verlor ich mich in den Details, wobei ich eigentlich simpel bleiben wollte. Dadurch dauerten einige Seiten länger als geplant.
Trotz dessen bin ich sehr zufrieden mit meiner Arbeit, da ich alles unverhältnismäßig oft überprüfte und die meisten Seiten mehrfach korrigierte.
Da ich nun sehr präzise gelernt habe, wie man eine Graphic-Novel verwirklicht, kann ich mir gut vorstellen, in Zukunft selber noch mehr davon umzusetzen.
Auch habe ich das Thema Borderline nun besser verstanden. Das Zeichnen von Selbstverletzung erschien mir am Anfang sehr unangenehm, doch ich gewöhnte mich schnell daran und fand für die unangenehmste Szene eine passende metaphorische Darstellung.
Ich hoffe, dass meine Graphic-Novel Betroffenen mit Borderline und Angehörigen helfen und zu mehr Verständnis und Entstigmatisierung beitragen wird.
Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass mir das Projekt sehr viel mit auf meinen Weg als angehende Künstlerin gegeben hat und ich sehr dankbar für diese Gelegenheit bin.