Incom ist die Kommunikations-Plattform des Institut für Industrial Design - Hochschule Magdeburg-Stendal

In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre

Foto & Video Basics

Welche Grundlagen muss ich bei der Foto- und Video-Dokumentation meiner Projekte beachten?

Die folgende Sammlung von Tipps, Tricks, Denkanstößen, Fragen, Beispielen und Tutorials soll euch eine Grundlage für die Anfertigung von Foto- und Video-Dokumentationen bieten. Der Artikel ist deshalb (auch wenn er in üblicher Arbeitsreihenfolge angelegt ist) weniger als Anleitung, sondern eher als „Leitlinie“ zu verstehen: 

Nicht alle Punkte treffen auf jedes Projekt zu – sucht euch deshalb raus, was für euch relevant ist.

Aufnahmesituation

„We'll fix that in Post [Production]!“ ist ein gängiger Spruch. Klar ist aber: Technische Fehler lassen sich mitunter durch Nachbearbeitung beheben – eine schlechte Aufnahmesituation nur selten! Die folgenden Tipps geben euch die Basics für eure Aufnahmen. Die Beispiele darunter verdeutlichen das Ganze noch einmal.

Bildaufbau

  • Zeit nehmen: Analysiert euer Bild in Ruhe.
  • Aufräumen: Schafft ein ordentliches Umfeld. Auch Dinge, die vermeintlich „in der Unschärfe verschwinden“ können Unruhe erzeugen.
  • Überflüssige Props: Räumt alles weg, was nicht für die Kommunikation eurer Idee/ eures Konzepts nötig ist.
  • Objektiver Blick: Versucht die Position einer Außenstehenden einzunehmen. Verstehe ich, worum es geht und wo der Fokus liegt?

Komposition

  • Die Klassiker: Nutzt gängige Regeln wie den Goldenen Schnitt und leitende Linien um euer Bild aufzuteilen.
  • Auf Augenhöhe: Nehmt die Position des Beobachters ein. Auf welcher Höhe befinden sich meine Augen in der entsprechende Situation? Ihr filmt Menschen: Geht auf Augenhöhe! Vor allem bei sitzenden Personen oder beispielsweise Kindern macht das einen großen Unterschied.
  • Keep it level: Achtet auf eine gerade Horizontlinie. Viele Stative und/oder Kameras haben eingebaute (analoge oder digitale) Wasserwaagen… iPhones zur Not auch.
  • Begradigen: Spätestens in der Bearbeitung lassen sich stürzende Linien entfernen. Besser aber noch, wenn ihr sie garnicht erst aufnehmt. Nutzt hierfür am besten Raster in der Live-Vorschau eurer Kamera.
  • Stativ nutzen: Aus der Hand fotografieren und filmen kann schöne Effekte bringen, aber auch Wackeln und unschöne Komposition. Ein Stativ hilft euch dabei, den richtigen Bildwinkel in Ruhe zu finden und euer Bild anzupassen – vor allem auch wenn ihr allein arbeitet. Ihr filmt und fotografiert mit dem Handy? Besorgt euch eine Stativklemme!

Licht

  • Nicht „platt leuchten“: Licht von vorn (oft durch den eingebauten Kamerablitz) lässt das Motiv platt wirken.
  • Kontraste erzeugen: Platziert euer Motiv seitlich oder schräg zum Licht – so gibt es eine helle und eine dunkle Seite.
  • Kamerablitz vermeiden: Wenn ihr keine externen Blitz oder ein Studio zur Verfügung habt, nutzt natürliches, weiches Licht (beispielsweise am Fenster, optimal an einem leicht bewölkten Tag). Dieses sorgt für sanfte Schatten und ist relativ einfach zu kontrollieren.
  • Vorsicht mit Mischlicht: Vermeidet Lichtquellen mit verschiedenen Lichttemperaturen.

Ton

  • Zeit nehmen: Achtet einmal auf die Umgebungsgeräusche um zu identifizieren, welche Geräusche eventuell stören könnten.
  • Störquellen eliminieren: Laptop-Lüfter, Klimaanlage, surrende Boxen, die Waschmaschine im Schleudergang oder der staubsaugende Nachbar. Vermeintlich „leise“ Geräusche können später bei der Nachbearbeitung zum Problem werden. Schafft sie aus dem Zimmer oder wartet auf einen besseren Zeitpunkt.
  • Externes Mikrofon: Die Kamera mag von drei Metern Entfernung das perfekte Bild machen – aber selten den perfekten Ton. Nutzt ein externes Mikrofon beispielsweise die Aufnahmefunktion eures Handys.
  • Synchronisieren: Klatsch zu Beginn der Aufnahme einmal laut. Der entstehende starke Ausschlag in der Wellenform des Audios hilft später im Schnitt die verschiedenen Aufnahmen zu synchronisieren.

Beispiele

Licht

  • Bild 1: „Plattgeleuchtet“ mit dem Kamerablitz
  • Bild 2: Natürliches Licht von der Seite gibt Kontraste

Augenhöhe

  • Bild 3: Die Kamera blickt von oben herab: Der Ball wirkt kleiner.
  • Bild 4: Die Kamera blickt gerade auf den Ball: er wirkt größer.

Personen im Umfeld

  • Bild 1: Unaufgeräumt und durcheinander. Keine passende Perspektive.
  • Bild 2: Foto auf Augenhöhe.
  • Bild 3: Etwas tiefere Perspektive lässt Unordnung im Hintergrund etwas „verschwinden“.
  • Bild 4: Aufgeräumtes Umfeld, kontrastreiche Ausleuchtung mit natürlichem Licht.
  • Bild 5: Störenden Elektrokasten entfernt.
  • Bild 6: Flasche (hier als Beispiel-Requisite) durch passenderes Modell ausgetauscht.
  • Bild 7: Gerade Perspektive, aufgeräumtes Umfeld, zusätzliches Stimmungslicht.

App im Umfeld

  • Bild 1: Dreckiger Tisch und Handy, unspannende Perspektive
  • Bild 2: Sauberes Umfeld, spannende Bildaufteilung
  • Bild 3: Handy in der Hand gibt Kontext
  • Bild 4: Aufgeräumter Hintergrund gibt mehr Ruhe im Bild
  • Bild 5: Der klassische Blick über die Schulter, aber Fingerabdrücke und störende Reflektionen auf dem Handy
  • Bild 6: Reflektionen und Schmutz entfernt

Kameragrundlagen

„The best camera, is the one that you have with you!“ ist ebenso oft gesagt, wie wahr. Gute Kameras tragen wir mittlerweile in unseren Hosentaschen. Moderne Mobiltelefone filmen teilweise in 4K (... und mehr), verfügen über beachtlichen Dynamikumfang, Bildstabilisierung und Nacht-Modus. Alles in allem: Eine super Alternative.

Je nach Kamera und Handy kann eine DSLR oder Spiegellose Digitalkamera dennoch die bessere Wahl sein. Hier könnt ihr mit einer größeren Auswahl an Objektiven arbeiten, dank großer Blenden mit Unschärfen spielen und im bestenfalls in unkomprimierten Formaten filmen und fotografieren, welche später eine umfangreichere Nachbearbeitung ermöglichen.

Grundlegende Parameter für Fotografie

Belichtung

Die Belichtung von Fotos wird von drei Parametern bestimmt, welche zusammen das „Belichtungsdreieck“ oder „Exposure Triangle“ bilden.

  • Blende: die Öffnung des Objektivs.
  • Belichtungszeit: wie lange Licht auf das Aufnahmemedium trifft.
  • ISO: die Empfindlichkeit des Aufnahmemediums (früher Film, heute digitaler Sensor).

Ein gut aufbereitetet und gestaltete (englischsprachige) Darstellung der Zusammenhänge gibt es hier: Say Cheese – Photography for beginners. ⭐️

Zum Üben empfiehlt es sich zwei der Parameter automatisch berechnen zu lassen und nur einen manuell zu verändern. Entsprechende Kameramodi heißen oft Tv (Blendenautomatik) oder Av (Zeitautomatik).

Weißabgleich

Der Weißabgleich ist die Anpassung der Kamera an die Farbtemperatur des Lichts am Aufnahmeort. Alle Kameras haben in der Regel Automatikmodi oder Vorgaben (Sonnenschein, Bewölkt, Kunstlicht, …) für den Weißabgleich. Alternativ kann man diesen auch manuell einstellen. Beim Einstellen des Weißabgleichs ist besonders auf Hauttöne zu achten.

Frame Rate – die Ergänzung zum Belichtungsdreieck

Beim Filmen kommt zum Exposure Triangle mit der Frame Rate noch ein vierter Parameter hinzu. Die Frame Rate bestimmt die Anzahl der Bilder pro Sekunde oder Frames per Seconds, kurz: fps.

In Europa sind 25 und 50 Frames gängige Werte. Faustregel ist hier, die Belichtungszeit auf das Doppelte der Frame Rate zu setzen: 

25 fps = 1/50 Sekunde.

Profi-Tipp: Neutraldichtefilter (ND-Filter) helfen, um gewünschte Blendenwerte bei festgesetzer Frame Rate und Belichtungszeit erreichen zu können.

Save your Highlights

Beim Belichten solltet ihr darauf achten, dass keine überbelichteten („ausgebrannten“) Stellen auf eurem Bild auftreten. Sind diese einmal weiß, lässt sich auch in der Nachbearbeitung oftmals nichts mehr rausholen. Belichtet daher lieber zu dunkel und hellt die Tiefen/Schatten im Bild nachher auf. Hier lässt sich je nach Rauschverhalten der Kamera oft noch einiges rausholen. Wieviel sich im Nachhinein machen lässt muss man mit der eigenen Kamera testen.

Wenn der Dynamikumfang der Kamera nicht genug Spielraum gibt, denkt darüber nach, welcher Teil des Bildes am wichtigsten ist und daher richtig belichtet werden muss.

Sean Tucker – Protect your Highlights: A lesson for Light and Life

Aufnahme-Formate

Generell gilt: Wenn nachbearbeitet werden soll, das Aufnahmeformate so unbearbeitet und unkomprimiert wie möglich wählen! Unkomprimierte Formate sind zwar größer, enthalten aber viel mehr Daten, welche in der Nachbearbeitung mehr Möglichkeiten lassen, um beispielsweise Belichtung oder Weißabgleich nachträglich einstellen zu können.

Foto

Unkomprimiert: RAW, CR2, DNG

Komprimiert: JPEG

Video

Hier müsst ihr die Einstellungen eures Kameramodells prüfen (... oder Google fragen, was sich empfiehlt). Anhand der Dateigröße kann man oft schon sehen, wo mehr Daten vorhanden sind.

Gängige Formate sind: MP4, MOV

Audio

Unkomprimiert: WAV, AIFF

Komprimiert: MP3, M4A,

Nachbearbeitung

Software

Die folgende Sammlung von Software gibt einen Überblick über gängige Tools.

Bildbearbeitung

  • Adobe Photoshop: Bildbearbeitung, -Manipulation und -Retusche
  • Adobe Lightroom: Bildbearbeitung
  • Affinity Photo: Bildbearbeitung, -manipulation und Retusche
  • Adobe Bridge: Kategorisierung und Verwaltung von Bildern

Video-Bearbeitung

  • Adobe Premiere Pro: Video-Schnitt
  • Adobe Premiere Rush: Einfache, „schnelle“ Alternative zu Premiere Pro
  • Adobe After Effects: Animation
  • Apple Final Cut: Video-Schnitt
  • Adobe Media Encoder: Video-Export

Audio-Aufnahme und -Bearbeitung

  • Adobe Audition
  • Audacity
  • iPhone Sprachmemos

123Apps

Sammlung von Web Apps für kleinere Aufgaben, wie bspw. Audio kürzen, Videos zuschneiden, Dateiformate konvertieren, und und und…

Leitfragen Bild- und Video-Bearbeitung

Nutzt die folgenden Fragen um zu analysieren, was ihr bei eurer Bearbeitung zu beachten habt.

  • Ist alles gut zu sehen, was wichtig ist?
  • Ist das Bild gut belichtet? Zu hell? Zu dunkel?
  • Ist der Weißabgleich richtig?
  • Wie sehen die Hauttöne aus?
  • Ist starkes Rauschen zu sehen?
  • Ist die Stimmung getroffen?
  • Wo wird der Film wiedergegeben oder gezeigt? Beamer benötigen eventuell eine andere Bearbeitung als Computer-Bildschirme…

Kleiner Tipp für Dokumentationen: Play it safe! Keine krassen Effekte oder Stimmungen, die ihr eventuelle nicht wie gewünscht rüberbringen könnt.

Audio-Bearbeitung

  • Rauschen reduzieren: Nutzt beispielsweise die Rauschminderung in Audition um Rauschen zu entfernen.

  • Lautstärke ausgleichen bzw. anpassen: Schaut, dass keine zu krassen und unerwarteten Lautstärkenunterschiede im Audio-Signal auftreten.

  • Sehr tiefe Frequenzen entfernen: Tiefes Brummen (beispielweise vorbeifahrende LKWs vor dem Fenster) lassen sich meist ohne Beeinträchtigung der restlichen Aufnahme mit Hilfe eines Equalizers oder Hochpassfilters entfernen.

  • Voreinstellungen in Programmen nutzen und in der Stärke anpassen: Tools wie Adobe Audition bieten für viele Aufnahmesituationen passende Effekte und Einstellungen wie beispielsweise Sprachaussteuerung und Stimmoptimierung.

Make Your Voice Sound Better - Vocal EQ Zones

Musik & Soundeffekte

  • Den Ton treffen: Was für ein Gefühl vermittelt die Musik und wie passt das zu meinem Konzept?

  • Es gilt wie immer – Varianten bilden: Probiert verschiedene Musikstücke und beobachtet, wie sich Stimmungen verändern können.

  • Achtet auf ein ausgeglichenes Lautstärkenverhältnis zwischen Stimmen und Musik.

  • Soundeffekte können helfen euer Bild zu unterstützen. Nehmt diese entweder selbst auf (Stichwort Handy) oder sucht auf entsprechenden Plattformen. Achtet auch hier darauf, „den Ton zu treffen.“

  • Rechte beachten: Nutzt lizenzfreie Musik und Sounds für die ihr keine gesonderten Rechte kaufen müsst – vor allem, wenn ihr die Videos auf Youtube, Vimeo oder Instagram veröffentlicht. Niemand hat Lust darauf, dass Youtube euer Video sprecht… oder Post vom Anwalt kommt.

Mögliche Quellen
Audio-Mediathek - YouTube Studio

Royalty Free Stock Music, Download Free MP3s for Videos - Mixkit

Freesound

Export

Den Export eurer Fotos und Videos solltet ihr immer dem Ausgabemedium anpassen. Aktuelle Größen und Formate für soziale Netzwerke findet man durch kurze Recherche (Tipp: Aktuelle Jahreszahl in die Suchanfrage aufnehmen. Die Formate ändern sich gern mal.). In Incom werden die Vorgaben angezeigt.

Foto

  • JPG: Klassisches Format. Relativ gut komprimiert.
  • PNG: Wenn's transparent werden soll. Nachteil: Weniger komprimiert und damit größer als JPG.

Tipp: Wenn ihr für den Datei-Upload knappe Größenlimits habt nutzt Tools wie tinypng um eure Bilder verkleinern zu lassen. Ein nachträglicher Qualitätscheck empfiehlt sich!

Video

Für den Video-Export empfehle ich für alle Adobe-Nutzer den Export via Adobe Media Encoder. Hier sind Vorgaben für alle gängigen Medien (Youtube, Vimeo, ...) vorhanden und können auf euer Rendering angewendet werden. Mit der Warteschlange lassen sich mehrere Videos gleichzeitig rendern.

Ein klassisches Ausgabeformat, wenn ihr unsicher seit:

  • MP4
  • H264-Codec
  • Bitrate:

Kommentierte Beispiele

Sleep Mate

  • Bildaufbau gerade zum Horizont
  • Nutzer und Gerät im goldenen Schnitt
  • Fokus auf dem Gerät
  • Balance und Kontext durch Board und Pflanze

Yep/Nope

  • Gute Bildaufteilung (Dreieck)
  • Interaktion mit dem Gerät wird klar
  • Stimme vom Gerät aus dem Off ist komisch, weil auch auf dem Tisch

Ein Projekt von

Fachgruppe

Tutorien

Art des Projekts

Keine Angabe

Betreuung

Prof. Steffi Hußlein

Zugehöriger Workspace

Advanced: Animation & Mixed Reality

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2021