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Runter von deinem Rasen!

Grund und Boden sind wertvoll. Die weltweit nutzbare Bodenfläche ist sehr begrenzt. Bodenfläche wird in Zukunft zu einer immer kostbareren Ressource werden. Denn ohne diese können wir nicht leben. Das Projekt „Runter von deinem Rasen!“ widmete sich der Frage, wie sich unsere Konsumentscheidungen auf den Verbrauch des unersetzbaren Bodens auswirken.

Recherche

Die Recherche führte mich zuerst zu einschlägigen Quellen wie das Umweltbundesamt und weitere Behörden. Diese lieferten Daten über die Bodenflächen und deren Nutzung. Auch internationale Quellen spielten in die Auswertung hinein. Durch die bei der Recherche ausgewerteten Daten entstand ein immer drastischeres Bild darüber, wie gering die verbleibende Fläche pro Erdenbürger eigentlich noch ist. Im Falle einer gerechten Aufteilung unter allen Menschen auf der Erde kämen auf jede/n eine Fläche von 13.000 Quadratmetern. Das entspräche einer quadratischen Fläche mit einer Kantenlänge von gerade einmal 123 Metern. Zudem kommen auf diese Fläche anteilig noch Wüsten, Hochgebirge und Gletscher, welche sich einer Bewirtschaftung durch den Menschen entziehen. Mit der übrigen Fläche müssen heute fast 8 Milliarden, 2050 sogar 10 Milliarden Menschen ihr Überleben sichern. Das beinhaltet Wohnen, Nahrungsanbau, die Haltung von Nutztieren und den Erhalt von CO2-kompensierenden (Ur-)Wäldern.

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Daraus fasste ich den Entschluss, mein Projekt auf die Botschaft des immer knapper werdenden Bodens auszurichten. Die besondere Schwierigkeit lag in der Abstraktheit von Größenverhältnissen. Diese sollten in einer Installation oder einem Exponat fassbar werden.

Konzept & Entwurf

Anfangs bewegte ich mich auf der Konzeptsuche in Richtung einer Rauminstallation. Die Rauminstallation war als eine Projektion auf den Boden erdacht. Interaktionen sollten durch das Ablegen von Objekten getätigt werden können. Beispielsweise würde durch das Platzieren eines „Fleischartefakts“ der Platzbedarf relativ auf einem projizierten Waldstücks demonstriert werden. Der Zweck der großen Projektion wäre eine Einschüchterung durch den überlebensgroßen Einfluss dieser einzigen Handlungsweise. Da es diesem Ansatz an Originalität mangelte, entwickelte ich diesen zu einem Spiel weiter. Inspiriert wurde ich durch Strategie-Videospiele und Brettspiele wie „Die Siedler von Catan“.

Die Suche nach einem schlüssigen Gesamtkonzept führte letztlich zu einem Brettspiel, das die Einflüsse unseres individuellen Lebenswandels auf den persönlichen Bodenanteil darstellen sollte. Dabei wurden jeweilige Erdregionen (Wälder, Landwirtschaftsfläche, Brachland und weitere) verhältnismäßig in dreiunddreißig Plättchen aufgeteilt. Diese Plättchen würden nun nach den eigenen Konsumbedürfnissen ausgelegt werden. Jeder Nutzer würde sich sozusagen die Landschaft nach seinen Interessen zusammenstellen. Dabei sollten beispielsweise Acker- und Weideflächenplättchen anteilig für den Fleischkonsum eines durchschnittlichen Europäers ausgelegt werden. Zugleich würden verschiedene Anzahlen an Wohnplättchen die unterschiedlichen Platzbedürfnissevon verschiedenen Wohnformen illustrieren.

Vor allem mit der durchschnittlichen europäischen Lebensweise würde die Menge an Plättchen bald das Platzangebot eines Erdenbürgers sprengen. Genau hier soll die Aussage der Installation greifen. Es soll klar werden, dass viele, von uns als normal erachtete Tätigkeiten und Angewohnheiten, den persönlichen Anteil an der Bodenfläche überproportional strapazieren.

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Als herausfordernd erwies sich die Erstellung eines Regelwerks. Ein Brettspiel benötigt Regeln. Wie sollten diese dargestellt werden? Ereigniskarten oder eine durch Projektionen dargestellte Story, der gefolgt werden sollte.

Schlussendlich kam ich durch Feedback von Dozenten und Kommilitonen auf den Schluss, eine Richtschnur vorzugeben.

Besucher könnten der Reihe nach die eigene Ernährung, die Art zu Wohnen und eigene Konsumbedürfnisse in Bodeneinheiten auslegen. Dabei sollte das Limit recht schnell erreicht werden.

Umsetzung

Schließlich bestand das Brettspiel aus dem namensgebenden Brett. Es stellt eine Landschaft aus Wäldern, Feldern, Weiden, Steppen, Wüsten, Bergen und Gletschern dar. Wasserfläche gibt es ebenfalls.

In der Mitte ist der durchschnittliche Anteil eines Erdenbürgers an der Bodenfläche grafisch hervorgehoben. Die nicht urbaren Flächen sind zur Abgrenzung von fruchtbaren Flächen, genau wie die Legende, erhaben dargestellt.

Die Legende befindet sich rechts und beinhaltet Details zu den Feldern.Im oberen Teil des Bretts sind drei Boxen aufgestellt. Diese beinhalten von links nach rechts die Themen Ernährung, Wohnen und Konsum. Der Umwelteinfluss verschiedener Handlungen ist in unterschiedlich große Holzplättchen umgerechnet.Der eingegrenzte, persönliche Anteil eines Erdenbürgers wird dabei sehr schnell überstrapaziert.

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Ziel

Die zugrundeliegende Intention wäre, einen Denkprozess anzustoßen. Das Herbeiführen von Verhaltensänderungen ist selbstredend der ideale Zweck.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Master Interaktion Design

Art des Projekts

Studienarbeit im Masterstudium

Betreuung

foto: Prof. Dominik Schumacher foto: Prof. Dr.-Ing. Michael Herzog

Zugehöriger Workspace

MID: Beauty of Data in Spaces

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2021 / 2022

Keywords