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Kaum zu Fassen

Die anthropogenen Treibhausgasemissionen sind maßgeblich für die globale Erwärmung verantwortlich und somit ein fundamentales und wichtiges Thema des Klimawandels. Im Alltag werden fortlaufend Treibhausgas-Emissionen verursacht, doch die Gase bleiben unsichtbar, die Daten zu den Emissionsmengen abstrakt.

Hintergrund

Die unterschiedlichen Treibhausgase werden allgemein in C02-Äquivalenten zusammengefasst. Um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wird bis 2050 auf internationaler Ebene angestrebt, den Treibhausgas-Ausstoß pro Kopf auf unter zwei Tonnen C02-Äquivalent im Jahr zu senken. Davon ist der deutsche Durchschnitt noch weit entfernt, pro Person werden aktuell im Jahr über elf Tonnen ausgestoßen. Von einem allgemeinen Verständnis über hohe Emissionen, beispielsweise bei Flugreisen oder Fleischkonsum, kann ausgegangen werden. Doch die Relationen der Emissionen untereinander und deren Proportion zu dem angestrebten Emissionsbudget bleiben oft vage, das enorme Volumen der Emissionen schwer vorstellbar.

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Ziel

Ziel der Installation „Kaum zu Fassen“ ist es, den sonst unsichtbar ausgestoßenen Mengen unserer alltäglichen Emissionen ein erfassbares und vergleichbares Volumen zu geben. In zwei Visualisierungen können die BesucherInnen ein fundiertes Bewusstsein für die alltäglichen Emissionsvolumen entwickeln. Durch Gegenüberstellung und Einordnung verschiedener Aktionen kann der persönliche Lebensstil reflektiert werden und ein Lernprozess angestoßen werden.

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(E)mission Impossible

Um ein erstes Gefühl für die Emissionen, die im Alltag entstehen, zu erhalten, werden in der ersten Visualisierung „(E)mission Impossible“ die Emissionsvolumen einzelner Aktionen und Jahresdurchschnitte aufgestellt. Dazu wurden konkrete Beispiele zusammengetragen, um eine hohe Identifikation zu erreichen. Sie werden in die Bereiche Wohnen, Strom, Ernährung, Mobilität und sonstiger Konsum geclustert. Die deutschen Durchschnittswerte dieser Bereiche dienen aufeinandergestapelt als Referenz und zur ersten Einschätzung der aktuellen Situation. Es wird deutlich, dass der aktuelle Durchschnitt fast fünfmal so viele Emissionen umfasst, wie angestrebt wird. Schon die Werte einzelner Bereiche sprengen den Rahmen.

Verortet in den Maßstab eines Stadtbildes entsteht eine Größenvorstellung sowie eine umbaubare C02-Skyline. Neben einer Straße, die die einzelnen Bereiche abgrenzt, verdeutlichen die Silhouetten von einem Baum, einem Haus und zwei Menschen den Maßstab. Die Bereiche können anhand von konkreten Beispielen erforscht werden. So können etwa im Bereich Ernährung die verschiedenen Ernährungsformen und einzelne Gerichte oder im Bereich Konsum die Produktion von Elektroartikeln und die Haltung von Haustieren verglichen werden. Als Referenz dient dabei der Rahmen des Zwei-Tonnen-Jahres-Budgets. Der Versuch, die eigenen Emissionen in diesen Rahmen zu setzen, wird häufig scheitern, die Problematik unseres Lebensstils wird deutlich. Ein einfacher Flug nach New York passt gerade so hinein, eine Ölheizung oder eine fleischlastige Ernährung sprengen den Rahmen.

Nähere Informationen befinden sich auf dem Boden der Quader. Die einzelnen Quader lassen sich über eine Farbcodierung dem zugehörigen Bereich zuordnen. Ihre Beschriftung ermöglicht eine richtungsunabhängige Lesbarkeit. Die Größe der quadratischen Grundflächen ist angelehnt an die Breite von Plattenbauten. Bei den kleineren Quadern wird sie jeweils halbiert. Die Grundflächengröße dient auch als Codierung der Art der dargestellten Daten. Die größte Breite wird für die Gesamtanzeige des deutschen Durchschnitts und den Referenzrahmen verwendet. Dann folgen die Jahresdurchschnitte wie Heizungsemissionen oder Ernährungsformen. Am kleinsten sind einmalige Aktivitäten wie der Produktion von Produkten oder Reisen. Die einzelnen Höhen wurden dann aus der Emissionsmenge errechnet.

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Aufgeblasene Ansprüche

Das Betrachten und die Interaktion lassen die BesucherInnen recht hoffnungslos und nachdenklich zurück. Als Einzelperson lassen sich die einzelnen Bereiche unterschiedlich gut beeinflussen. Da besonders der Bereich der Mobilität ein großes, einfach zu beeinflussendes Handlungsfeld bietet, wird darauf im zweiten Schritt „Aufgeblasene Ansprüche“ eingegangen. Auch hier stehen die Vergleichbarkeit und das Gefühl für das Emissionsvolumen im Vordergrund.

Exemplarisch werden die drei Transportmittel Auto, Flugzeug und Eisenbahn gegenübergestellt. Ihre Emissionen können anhand der Größe eines sich aufblasenden Luftballons verglichen werden. Über das Drücken des zugehörigen Knopfes kann die gewünschte Streckenlänge ausgewählt werden. Beim Drücken des zugehörigen Knopfes läuft ein km-Stand der zurückgelegten Strecke, die mit dem Emissionsvolumen, möglich ist. Dieses wird gleichmäßig in den Luftballon geblasen. Dabei wird der Modellraum, der das Ziel-Budget von zwei Tonnen symbolisiert, zunehmend ausgefüllt. Zur Einschätzung der realen Größe dient die Silhouette eines maßstabsgetreuen Menschens. Als Hilfestellungen werden einige (Urlaubs)strecken ausgehend von Magdeburg und Berlin angegeben. Eine Legende auf dem Boden des Ballonraumes gibt einen ersten Eindruck, welche Strecken je nach Verkehrsmittel wie viel Raum ausfüllen. Dort finden auch ohne die Interaktion des Knopfdrückens ein erster Vergleich und eine Einordnung statt.

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KaumZuFassen_DorotheaWagnerberger_Schaufenster - Kopie.jpgKaumZuFassen_DorotheaWagnerberger_Schaufenster - Kopie.jpg
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Umsetzung

Die benötigten Daten wurden aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und jeweils auf eine Person bezogen berechnet. Aus diesen Emissionsmengen wurde die Höhe der Quader berechnet. Es wurden Faltvorlagen inklusive der Beschriftung ausgedruckt und zusammengebaut. Für einen besseren Schwerpunkt wurde innen auf die Bodenfläche ein Magnet gesetzt. So entstehen ein stabilerer Stand und ein angenehmes Hinstellen auf die versteckten Metallplatten.

Für die Umsetzung des Ballons wurde mit verschiedenen Ballongrößen experimentiert, um ein ausreichendes Volumen zu erreichen. Die Luftpumpe wird beim Drücken der Knöpfe über einen Arduino angesteuert. Der km-Stand wird auf 7-Segment-Displays angezeigt. Ein Reset findet bei langer Inaktivität statt oder wenn das maximale Volumen von zwei Tonnen erreicht wurde, und der Ballon wieder geschrumpft ist.

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Ein Projekt von

Fachgruppe

Master Interaktion Design

Art des Projekts

Studienarbeit im Masterstudium

Betreuung

foto: Prof. Dominik Schumacher foto: Prof. Dr.-Ing. Michael Herzog

Zugehöriger Workspace

MID: Beauty of Data in Spaces

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2021 / 2022