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Master Thesis | Gesundheitsrisiko Geschlecht

Master Thesis | Gesundheitsrisiko Geschlecht

Entwicklung von interaktiven Edutainment-Formaten zur aktiven Sensibilisierung von Patient:innen für die Notwendigkeit einer geschlechtersensiblen Medizin

Einladung zur Verteidigung

Ich lade euch alle herzlich zur Verteidigung meiner Masterthesis am 12.12.2023 ein!

Wann? 12.12.2023 um 16:30

Wo? schauwerk und online https://hs-magdeburg.zoom.us/j/87392863094

Außerdem könnt ihr in dieser Woche (11.12-16.12.23) die Installation ausprobieren.

Ich freue mich auf euch :)

Hintergrund

Das Geschlecht beeinflusst, wie wir erkranken und wie wir behandelt werden sollten. Von der Medizin erwarten wir eine entsprechende objektive und evidenzbasierte Behandlung. 

Doch genau hier liegt das Problem: Viel zu oft werden die vielfältigen biologischen und soziokulturellen Unterschiede nicht berücksichtigt. Wir leben in einer Welt mit einer normierten Referenz, überwiegend dem cis-männlichen Körper. Alle anderen gelten als „untypische“ Ausnahmen. 

Diese Gleichbehandlung benachteiligt und verzerrt die Diagnose und Behandlung, manchmal mit lebensbedrohlichen Folgen. Und das nicht nur für diejenigen, die nicht der klassischen männlichen Norm entsprechen. 

Die Problematik besteht auch umgedreht: bei Krankheiten, die als „Frauenkrankheiten“ wahrgenommen werden, werden Erkenntnisse über Frauen auf die breite Gesellschaft übertragen.

Die geschlechtersensible Medizin berücksichtigt diese Aspekte.

Wie können Gesundheitsinformationen kommuniziert und gestaltet werden, um Patient:innen präventiv für die Notwendigkeit der geschlechtersensiblen Medizin zu sensibilisieren?

Wie können interaktive Edutainment-Formate eine aktive Auseinandersetzung unterstützen und das Bewusstsein für die Thematik erhöhen?

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Analyse

Die Thematik wird seit den 80er Jahren zunehmend bekannt, seit 2001 empfiehlt die WHO eine geschlechtersensible Medizin. Jedoch kommt das Thema in der Praxis und auch der Lehre nur langsam an.

Neben den direkten Stakeholdern von Ärztinnen, Apothekerinnen bis hin zu Universitäten ist auch die große Gruppe der Patient:innen betroffen. Als Hauptakteur:innen des medizinischen Versorgungssystems haben sie nicht nur den Wunsch nach Veränderung und mehr Informationen über geschlechterspezifische Unterschiede, sondern auch das Potenzial und die Macht, den Bewusstseinswandel voranzutreiben.

Dazu wurden die Zielgruppe über eine Online-Umfrage und Leitfaden gestützte Interviews näher betrachtet. Basierend auf diesen Ergebnissen wurden vier Personas entwickelt. Eine umfassende Produktrecherche untersuchte aktuelle Angebote und Strategien.

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Ideation

Im Vergleich und der Bewertung der ersten Ideen wurde deutlich, dass eine Kombination verschiedener Strategien notwendig ist, um die gesetzten Ziele und Kriterien zu erfüllen.

Daher wurde der Fokus auf ein Zusammenspiel aus interaktiver Installation gelegt, welche die Aufmerksamkeit weckt, die durch ein informatives Give-Away unterstützt wird.

Die Interaktion in der Ausstellung soll die Notwendigkeit einer geschlechtersensiblen Medizin räumlich erfahrbar machen. Die Einstiegshürde muss niedrig sein, um viele Besucher:innen mit unterschiedlichen Wissensständen abzuholen. Der Fokus liegt auf dem aktiven Erlebnis, wobei ein emotionaler Bezug über die Technik der Furchtappelle hergestellt wird.

Nach dem eventuell aufwühlenden Erlebnis im Parcours informieren konkrete Fallbeispiele weiter über die Problematik. Das GiveAway macht das Thema greifbar und liefert eine Informations- und Diskussionsgrundlage to go. Der Fokus der Karten liegt dabei auf der Aufklärung, Handlungsempfehlungen werden nur begrenzt gegeben.

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Konzept

Das Konzept besteht aus zwei sich ergänzenden, interaktiven Edutainment-Formaten:

Im Parcours Irrwege der Medizin schlüpfen die Besucher:innen aktiv in die Rolle eine:r Patient:in und werden beispielhaft mit geschlechtsspezifischen Aspekten von Behandlungs(um-)wegen bei Krankheitsbildern konfrontiert. Auf der Suche nach einer Diagnose können sie verschiedene Stationen aufsuchen. Doch von den Mediziner:innen werden sie nicht entsprechend behandelt und immer wieder nach Hause geschickt. Die Symptome werden immer brenzliger, die Besucher:innen schaffen es nur durch Initiative z.B. über den Notruf und Nachfragen zur Auflösung. Hier wird ihnen offenbart, in welcher Rolle sie steckten. „Untypische“ Symptome in der Rolle als Frau oder Mann verzögerten ihre Diagnose.

ProzessIrrwegeDerMedizin.gifProzessIrrwegeDerMedizin.gif
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Das Kartenset Gendermedol liefert anschließend anhand vielfältiger Fallbeispiele weitere Informationen und unterstützt eine vertiefende Auseinandersetzung auch im privaten Umfeld. Drei verschiedene Interaktionstechniken verleihen dem Spiel einen Rätselcharakter und laden zum Entdecken ein.

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Prozess

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Evaluation

Eine abschließende Evaluation zeigte das Potenzial des Konzepts und des Zusammenspiels der beiden Formate durch den spielerischen und interaktiven Zugang Informationen zu vermitteln, zu sensibilisieren und die Gesundheitskompetenz zu stärken. Dazu wurden die Wege der Besucher:innen protokolliert und eine qualitative Befragung in zwei Versuchsgruppen durchgeführt. Dabei wurden Potenziale und Schwachstellen identifiziert und die drei verschiedenen Use Cases (die einzelnen Elemente Parcours und Kartenset, sowie deren Kombination als Gesamterlebnis) bewertet.

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Fazit und Ausblick

Zusammenfassend wurden in der Arbeit zwei sich ergänzende interaktive Edutainment-Formate entwickelt die Patient:innen erfolgreich für die Thematik sensibilisieren. Die erste Evaluation zeigt das große Potenzial über das aktive Erleben im Parcours einen spielerischen Zugang zu der Thematik zu schaffen und gleichzeitig unterstützt durch das Give-Away der Karten ein hohes Informationslevel zu vermitteln.

Ich bin gespannt, wie und wo die Arbeit und Ausstellung weitergeht und welche Möglichkeiten sich noch bieten werden die Installation auszustellen.

Besonders das Kartenset bietet einen Rahmen, der mit immer neuen Beispielen erweitert werden kann, sobald die Faktengrundlage besteht. Je nach Forschungsstand wäre es dann langfristig wünschenswert, die eingeschränkte binäre Betrachtung aufzubrechen, um Fakten zu mehr Geschlechtern abzubilden.

Eine Einschränkung der prototypischen Umsetzung ist, dass der Parcours immer nur von einer Person durchlaufen werden kann. Um ihn für mehrere Personen gleichzeitig zu realisieren, könnte zum Beispiel an jeder Station der RFID-Reader verwendet werden.

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Ein Projekt von

Fachgruppe

Master Interaktion Design

Art des Projekts

Masterarbeit

Betreuung

foto: Lovis Schwenderling foto: Danny Schott foto: Prof. Dominik Schumacher

Zugehöriger Workspace

20 MID: 5.1 Master Colloquium

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2023 / 2024

Keywords